Ich habe nun auch bereits alle letzten neuen Folgen gesehen (globales Internetz sei Dank...) und ziehe ein Fazit:
Das wars. Das ist das Serienfinale von Alarm für Cobra 11.
Wenn überhaupt - und das ist ein ganz ganz großes Wenn - kommt noch in 1-2 Jahren als Eventmovie aufgeblasenes Special, und danach ist dann auch wirklich Schluss. Oder es kommt eben gar nichts mehr.
Nach dem Sehen der Folgen ist für mich klar, dass dieser Plan seit mind. 2019 festgestanden haben muss, Corona hin oder her. Es kann mir keiner (außer den Verantwortlichen) erzählen, dass man nicht vorher schon genau dieses Ende geschrieben hat. Denn so dermaßen in sich geschlossen sind diese neuen Folgen, dass in der letzten Pia-Folge wieder Bezug auf die erste Pia-Folge genommen wird (Stichwort der schwarze Fußballer) bzw. die Geschichte mit Semirs Mutter und ihrer Befreiung aus dem Gefängnis in Istanbul (Stichwort Gesetzesübertretung und dafür Geradestehen in der allerletzten Szene). Meiner Meinung nach war das alles genauso geplant gewesen, auch das Einstreuen diverser Facts folgenübergreifend, die dann am Ende alle zusammenlaufen. Nicht umsonst schreiben die beiden Headwriter am Ende auch das Drehbuch der letzten Folgen.
Die Chemie zwischen Erdo und Pia ist unbestritten. Da ist fast schon zuviel Geshaker und Gegrinse für zwei, die sich nur siezen - aber wie vorher schon gesagt wurde, ist das Siezen eher ein Altersding. Das Partnersein kam in vielen Szenen sehr gut rüber, füreinander da zu sein, als Ansprechpartner, als Ratgeber oder Stütze. In den Autoszenen hat man auch überhaupt nicht gemerkt, dass sie Coronabedingt vielleicht jeweils einzeln gedreht haben. Überhaupt sind diese beiden Darsteller, wenn es um Drama und Acting geht, das Beste, was der Cobra jemals passiert ist. Da werden schwierige Szenen wie Heulkrampf oder Schmerzen überzeugend rübergebracht. Pia durch ihre vielen dramatischeren Szenen mehr als Erdo, in der Szene aber, wo Semir mit seiner Mutter am Gefängnistisch sitzt, ist es vielleicht nur eine Einstellung auf Erdos Gesicht und man ist selbst angepackt - super.
Dahingegen fallen die anderen Darsteller für mich doch einigermaßen ab, aber auch der Tatsache geschuldet, dass es ihnen so auf den Charakter geschrieben wurde. Patrick kann für mich nicht den Leiter einer Einheit rüberbringen, die er selbst aus der Taufe gehoben hat, für die er gekämpft hat, als Mann im Rollstuhl, was in mind. 3 Folgen erwähnt wird als "was er sich hier doch aufgebaut hätte". Stattdessen hat er ne Ex-Frau und seinen Sohn 3 Jahre nicht gesehen, säuft sich im Büro unter den Tisch, seine Mitarbeiter machen links und rechts, was sie wollen oder sind sich in aller Öffentlichkeit mehrfach in den Haaren, oder er wird weinerlich ("der falsche Mann am falschen Platz"), wenn er Gegenwind vom BKA bekommt. In den ersten Folgen wird er als Mann vor den Kameras dargestellt, der alles im Blick hat, "immer einen Schritt voraus zu sein" - davon war am Ende nicht mehr viel übrig. Und da kann Patrick für mich nicht die Autorität ausstrahlen, die ein Boss solch einer Unit haben muss - und wie es früher die Chefinnen hatten.
Die Dreierkonstellation Dana, Max, Semir hat nur noch genervt. Wenn der türkische Vater Mitte 50 seiner unehelichen Tochter Mitte 20 im Jahr 2021 noch Sachen vorschreiben will, mit wem sie zusammen sein darf, dann hat jemand beim Thema Emanzipation nicht aufgepasst. Wenn der Boyfriend Mitte 20 seinem Girlfriend Mitte 20 im Jahr 2021 noch Geheimnisse verschweigt, weil er sie ach so beschützen will, dann hat jemand den Begriff Ehrlichkeit in Beziehungen, was ja ach so doll immer überall propagiert wird, auch nicht wirklich verstanden. Natürlich ist das Ganze aber extra genauso geschrieben - wieso? Na weil Semir in der letzten Folge dem Max seinen Segen gibt ("doch ein toller Typ und genau der Richtige für meine Tochter") - Drehbuchschule 1mal1. 
Dana war glaube ich genau einmal außerhalb des Büros zu sehen, ansonsten nur Schreibtischdienst. Max hatte 2 auch actionreiche Außeneinsätze, was mir 3000mal besser gefallen hat als wenn er sich mit Semir jede Folge verbal ankackt - und wird am Ende wieder der Partner von Vicky (Brückenschluss zu Folge 1). Bleibt noch Christopher Patten, dessen Charakter einen sehr interessanten Ansatz hat, sich nach der Scheiße aus Dortmund undercover wieder zurückzuarbeiten. Er besitzt im Schauspiel auch eher die Bad Boy-Komponente und passt mehr in dieses Milieu, als es z. B. ein Nicolas getan hätte. Wird dann aber doch ein wenig links liegen gelassen, bis er im Finale wieder interessant wird. Und hat NATÜRLICH als Vickys Boyfriend die rettende Niere für sie im Körper. Aber gut, die ganze Lovestory eh nur für die weibliche Kundschaft reingenommen
Für mich ein verschenkter Charakter, wo man auch einen netten Arc über viele Folgen hätte machen können, wie er sich in einer Organisation hocharbeitet und dann Gewissenskonflikte etc. bekommt, bei der Arbeit die er tun muss. Nein, stattdessen kommt kurz vorm Finale eine Krankenhaus-Folge, wo die Hälfte des eigentlich helfenden Personals als shady gezeichnet wird..
Für mich die beste Folge war "Völlig schmerzfrei". Marco Girnth immer gut (so wie seine Frau
), sehr gut sogar in der Szene im Konferenzraum. Aber vor allem sein Filmsohn Oskar Belton hat mich über allen Maßen überzeugt. Da könnte in der Zukunft noch was draus werden. Das es in Köln aber zwei Enduro-Maschinen geben soll, die von Fahrern mit der GLEICHEN Jacke gefahren werden und ein Abteilungsleiter der Polizei anhand von Körpergröße / -haltung nicht darauf kommt, dass es NICHT sein Sohn ist - naja..
Warum die letzte Folge "Das Team" heißt, ist mir ein Rätsel, denn bis auf die letzte Szene, wo alles wieder wie in Folge 1 ist (inkl. Semir nicht da), sind alle alleine bzw. zu zweit unterwegs. Und Vicky sogar mit jemandem, der gar nicht Teil des Teams ist. Ich hätte gerade die letzte Folge eher Bezug auf Semir genommen, sowas wie "Am Ende allein" oder "Ehre" oder "Verantwortung".
Die letzte Szene zeigt für mich dann auch mal wieder, wer Semir ist: ein sturer, aber konsequenter Bock. Wenn er seine Tochter beschützen will, und das auch nach 8maliger Aufforderung immer noch in seiner Art und Weise tut, dann ist er ein sturer Vater. Dasselbe gilt, wenn er den Freund seiner Tochter nicht mag - sturer Bock. Wenn er halb verblutet, aber den Bösen immer noch hinterher fährt - sturer Bock. Wenn er seiner Frau und seinen Kindern, die er die letzten Jahrzehnte immer wieder Gefahren ausgesetzt hat, wenn er sich für sie ein besseres Leben wünscht, was dann aber gleichzeitig bedeutet, dass er alleine zurückbleibt, weil er eben ein Polizist durch und durch ist - dann ist das konsequent. Und wenn er sich nicht dafür entschuldigt, seine Mutter mit allen Mitteln aus dem Gefängnis geholt und ihr damit das Leben gerettet zu haben, stattdessen aber die Verantwortung für seine Taten übernimmt und ins Gefängnis geht - dann ist er nur konsequent. Bis zum Ende ein liebender Vater und bis zum Ende ein liebender Sohn, mit seinem eigenen Kopp. Das ist Semir.
Ich fand das Ende überraschend, weil sehr negativ, aber in der Entwicklung dieser neuen Folgen nur konsequent und zum Zeitpunkt des Reveals, dass er aus der Asservatenkammer geklaut hat, auch vorhersehbar. Und da wird er auch nicht mehr so einfach rauskommen. Das Strafmaß glaube ich zwar nicht gehört zu haben, aber das ein oder andere Jahr wird es schon sein. Und ein Abschlussfilm oder wie auch immer könnte dann eher danach spielen, wenn er wieder draußen ist. Dreht dann Erdo an seinem 60. ab 
Soviel zu vor der Kamera, ich wollte noch zu hinter der Kamera was sagen und da muss ich ein großes Lob an AC aussprechen, wie sie sich für Setdesign, Ideen bei Kameraführung, Schnitt, aber auch Musik ins Zeug gelegt haben. Ich weiß nicht, ob in der Postproduktion noch ein Filter drübergelegt wurde oder es einfach nur durch die dicken Kameras (ARRI?) kommt, aber Bild, Licht, etc. sind wirklich hohes Niveau. 4 Komponisten, die sich die Musik teilen, teilweise kommt der Cobra-Theme in 2020er-Synthesizer-Style zum Einsatz oder als Pianosample - stark. Der Einsatz von Drohnen ist für mich die beste Integration seit Jahren, was man da optisch noch rausholen kann und da sie auch immer kleiner werden, aber die Bildqualität gleich bleibt, gehen dann auch so flinke 180 Grad-Wendungen wie in der letzten Folge. Geil. Oder der Einfall einer drehenden Kamera im Autocockpit mit Blick auf Erdo und links und rechts passieren Unfälle. Darius auch ordentlich involviert, ob als Regisseur oder später als Cutter. Und dass am Ende Paschi und dann Franco zum Einsatz kommen, schmeckt dem langjährigen Fan auch.
Ich weiß, es sieht stark nach Bashing hier aus, aber da darf man mich nicht falsch verstehen. Ich lebe und liebe die Cobra seit 25 Jahren, habe alles durch- und mitgemacht, als Zuschauer oder als Mitwirkender, und setze mich zwei Stunden an ein Review, wo vieles vielleicht von jemand anderem anders aufgenommen wurde oder auch auf wenig Verständnis trifft. Aber ich werde der Cobra weiterhin treu sein, komme was wolle. Und wenn es das Ende war, bin ich damit im Reinen, weil es nunmal irgendwann zuende gehen musste.
Haben mich die neuen Folgen überzeugt? Nein, bis auf Pia und Erdo nicht. Da bin ich Oldschool, ich brauche 3 Stunts pro Folge, Bumm Bumm bisschen Comedy Haha Hihi, Ende. Aber es ist nunmal das Jahr 2021.
Hätte ich das Ende anders gemacht? Ja, wenn ich seit 2 Jahren weiß, dass es das Ende wird/sein könnte, dann auf einer positiveren Note. Denn so ist es zwar ein Staffelfinale, was auch als Serienfinale funktioniert - aber nach 25 Jahren kein Serienfinale, was jemand sehen möchte. Der Protagonist, dessen Polizeidienst man seit dem 26.03.1996 mitlebt, beendet die Serie im Gefängnis?? Ja hallo?? Das kann es nicht sein. Deswegen bin ich schon optimistisch, dass da noch was kommt. Nur wann ist die Frage und dann, ob man wirklich alle nochmal zusammenbekommt, vor und hinter der Kamera. Time will tell...